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Französischer Generalkonsul zu Besuch im Sulzbacher Rathaus

Hoher diplomatischer Besuch im Sulzbacher Rathaus: Der französische Generalkonsul im Saarland, Jérôme Spinoza, hat Bürgermeister Michael Adam zu einem ausführlichen Gespräch im Dienstzimmer getroffen. Der Antrittsbesuch stand ganz im Zeichen der engen deutsch-französischen Beziehungen, die gerade im Saarland und in der Grenzregion eine besondere Rolle spielen. Begleitet wurde der Termin vom Sulzbacher Beauftragten für die deutsch-französische Freundschaft, Wolfgang Winkler.

Spinoza ist seit März 2025 Generalkonsul Frankreichs im Saarland. Der in der Region Marseille aufgewachsene Diplomat setzte sich im Auswahlverfahren gegen mehrere Mitbewerber durch und entschied sich bewusst für die Aufgabe in Saarbrücken. Ausschlaggebend waren für ihn vor allem die Möglichkeit, im deutschsprachigen Raum zu arbeiten, der intensive politische Dialog zwischen beiden Ländern sowie die vielfältigen Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Gerade das Saarland gilt als eines der wichtigsten Drehkreuze der deutsch-französischen Beziehungen in Europa.

Vor seinem Wechsel nach Saarbrücken war Spinoza von 2020 bis 2024 stellvertretender Leiter des Sekretariats der Internationalen Koalition für die Sahelzone in Brüssel. In dieser Funktion koordinierte er internationale politische Initiativen zur Stabilisierung der Region. Zuvor arbeitete er unter anderem als Botschaftsrat für Kultur an der französischen Botschaft in Tirana sowie in verschiedenen Funktionen im französischen Außenministerium und im europäischen Auswärtigen Dienst. Seine Laufbahn führte ihn außerdem in das Generalsekretariat für Verteidigung und nationale Sicherheit beim französischen Premierminister sowie in das französische Verteidigungsministerium, wo er sich intensiv mit strategischen Fragen und der Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten beschäftigte. Frühere internationale Erfahrungen sammelte er unter anderem als politischer Analyst bei der französischen Operation „Licorne“ in Abidjan.

Auch akademisch ist der Generalkonsul breit aufgestellt. Er studierte Politik-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie internationale Beziehungen unter anderem in Paris und Berlin. Dabei absolvierte er einen deutsch-französischen Doppelabschluss an der Freien Universität Berlin und dem Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po). Später folgte ein weiterer Masterabschluss in internationalen Beziehungen an der Universität Paris-Panthéon-Assas. Seit vielen Jahren ist Spinoza zudem als Dozent am Institut d’études politiques de Paris tätig und unterrichtet im Masterstudiengang Internationale Beziehungen und Internationale Sicherheit zum Thema Krisenmanagement in der Praxis. Darüber hinaus war er mehrfach als internationaler Wahlbeobachter im Einsatz, unter anderem in der Ukraine, Nigeria, Kambodscha und Albanien.

Beim Besuch im Sulzbacher Rathaus zeigte sich der Generalkonsul besonders interessiert an der Geschichte des Gebäudes und an der Entwicklung der Stadt Sulzbach. Bürgermeister Michael Adam gab einen Einblick in die historische Entwicklung der Kommune und betonte die traditionell enge Verbundenheit Sulzbachs mit Frankreich. Diese spiegelt sich vor allem in den Städtepartnerschaften mit Arc-et-Senans und Rémelfing wider, die seit Jahren durch Begegnungen und gemeinsame Projekte gepflegt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war das Jubiläumsjahr der Stadt Sulzbach. In diesem Jahr feiert die Stadt den 80. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Bürgermeister Adam nutzte die Gelegenheit, um den Generalkonsul auf mehrere geplante Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Besonders hob er ein Konzert des Deutsch-Französischen Kammerorchesters der Großregion hervor, das sowohl in Sulzbach als auch in der Partnerstadt Rémelfing stattfinden wird. Spinoza wurde hierzu persönlich eingeladen.

Neben historischen und kulturellen Themen standen auch aktuelle Fragen aus Politik und Wirtschaft auf der Gesprächsagenda. Dabei ging es um die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Großregion sowie um Perspektiven für weitere Kooperationen zwischen Kommunen, Institutionen und Akteuren. Spinoza lobte die stetige Involvierung der Stadt Sulzbach in die bilaterale Beziehung und ihren Platz in dessen Agenda, z.B. mit dem „frz. Liederpreis-Prix de la chanson française“ der alle zwei Jahre stattfindet.

Das französische Generalkonsulat in Saarbrücken spielt bei diesen Beziehungen eine zentrale Rolle. Seine Geschichte reicht bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück, als im Dezember 1945 eine französische konsularische Vertretung im Saarland eingerichtet wurde. Aus dieser entwickelte sich über mehrere Stationen das heutige Generalkonsulat, das seit 1955 in seiner aktuellen Form besteht. Heute trägt die Einrichtung maßgeblich zur Umsetzung der deutsch-französischen Kooperationsagenda im Saarland bei. Sie pflegt Kontakte zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Akteuren und arbeitet eng mit zahlreichen deutsch-französischen Institutionen zusammen, die in Saarbrücken angesiedelt sind – darunter die Deutsch-Französische Hochschule, die Austauschagentur ProTandem sowie das Deutsch-Französische Jugendwerk. Das Konsulat betreut auch die etwa 5.000 Franzosen, die im Saarland leben.

Der Besuch von Generalkonsul Jérôme Spinoza in Sulzbach unterstrich einmal mehr die besondere Rolle der kommunalen Ebene in den deutsch-französischen Beziehungen – dort, wo Städtepartnerschaften, kulturelle Begegnungen und persönliche Kontakte das europäische Miteinander im Alltag lebendig machen.

27.03.2026