Station 17a

 „Ich bin so müd, …“


Total gebrochen, 
betroffen von der Erkenntnis, dass zwischen seinem erdichteten Orient und dessen Realität Welten klaffen,
zu Hause heftigen Presseangriffen ausgesetzt – die „Frankfurter Zeitung“ suggerierte sogar, Karl May sei gar nicht im Orient, sondern würde in Bad Tölz eine Geschlechtskrankheit auskurieren -, 
auf nur zögerlich eingehende Post seiner Frau wartend, 
verfasste Karl May am 17. September 1899 in Aden folgendes Gedicht:

Ich bin so müd, so herbstesschwer
  Und möchte am liebsten scheiden gehen.
Die Blätter fallen rings umher;
  Wie lange, Herr, soll ich noch stehn?
Ich bin nur ein bescheiden Gras,
  Doch eine Ähre trag auch ich,
Und ob die Sonne mich vergaß,
  Ich wuchs in Dankbarkeit für dich.
     
Ich bin so müd, so herbstesschwer
  Und möchte am liebsten scheiden gehen,
Doch brauche ich der Reife mehr,
  So lass mich, Herr, noch länger stehn.
Ich will, wenn sich der Schnitter naht
  Und sammelt Menschgarben ein,
Nicht unreif zu der Weitersaat
  Für dich und deinen Himmel sein.

 

 


aus der Sammlung „Himmelsgedanken“ In „Karl Mays Gesammelte Werke“ Band 49 „Lichte Höhen“