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80 Jahre Stadt Sulzbach - ein Festakt im Zeichen von Geschichte, Gemeinschaft und Europa

Es gibt Abende, die bleiben in Erinnerung. Der Festakt zum 80-jährigen Bestehen der Stadt Sulzbach gehörte zweifellos dazu. In festlichem Rahmen kamen am Mittwoch, 19. August zahlreiche Gäste und Ehrengäste in der Aula zusammen, um gemeinsam auf acht Jahrzehnte Stadtgeschichte zurückzublicken, verdiente Persönlichkeiten zu würdigen und zugleich über die Zukunft Sulzbachs nachzudenken. 80 Jahre StadtSulzbach – das sind acht Jahrzehnte kommunale Geschichte, aber zugleich 680 Jahre Geschichte eines Ortes, der sich immer wieder gewandelt und neu erfunden hat. Wasser, Salz, Kohle, Glas und die Farbe Blau erzählen von den Wurzeln der Stadt. Städtepartnerschaften, die internationale Vernetzung, das europäische Engagement und die vielen Menschen, die sich heute für Sulzbach einsetzen, erzählen von ihrer Gegenwart. Der Festakt war ein Abend, an dem Vergangenheit gewürdigt, Gegenwart gefeiert und Zukunft gedacht wurde.

Persönlich begrüßt wurden die Gäste von Bürgermeister Michael Adam und seiner Gattin sowie den Beigeordneten der Stadt. „Ein Jubiläum ist eine Zeit, um die Freuden von heute, die Erinnerungen von gestern und die Hoffnungen von morgen zu feiern!“ Mit diesen Worten stimmte Kulturamtsmitarbeiterin Stefanie Bungart-Wickert die Gäste auf den Abend ein. Die Gästeliste spiegelte die vielfältigen Verbindungen der Stadt wider. Unter den Gästen waren der Innenminister Reinhold Jost, der Generalkonsul der Republik Frankreich im Saarland Jerôme Spinoza sowie die Abgeordnete des Saarländischen Landtages Flora-Elisa Schröder. Ebenfalls zu den Ehrengästen gehörten die Regionalverbandsabgeordnete Dr. Carolin Lehberger und der Regionalverbandsbeigeordnete Norbert Moy. Auch Bürgermeister der umliegenden Kommunen sowie der Partnergemeinde Rémelfing waren der Einladung gefolgt. Die wohl weiteste Anreise hatte Bürgermeister Dr. Zakari Filikibirou Tassou aus der Partnergemeinde Bassila in Benin (Afrika) auf sich genommen. Vertreten waren darüber hinaus die Mitglieder des Stadtrates, die städtischen Gesellschaften, Feuerwehr, Polizei und weitere Hilfs- und Blaulichtorganisationen, die Bundeswehr, Vertreterinnen und Vertreter aus Handel, Handwerk und Gewerbe, Bildungseinrichtungen und Kultur sowie zahlreiche weitere Unterstützerinnen und Unterstützer, Beauftragte und Partner der Stadt.

In seiner Festrede nahm Bürgermeister Michael Adam die Gäste zunächst mit auf eine Reise durch die Geschichte der Stadt, die erstmals im Jahr 1366 urkundlich erwähnt wurde und damit auf 680 Jahre Geschichte zurückblickt. Ein wichtiger Meilenstein folgte 1946: Nach langem Wunsch und erfolgreicher Bewerbung erhielt Sulzbach die Stadtrechte. Bürgermeister Adam erinnerte dabei auch an die Zeit der französischen Militärregierung, die insbesondere den kulturellen Stellenwert Sulzbachs erkannte und den Austausch entsprechend förderte. Die Geschichte der Stadt sei von zahlreichen Herausforderungen, aber ebenso von Menschen geprägt, die den Mut hatten, Veränderungen anzunehmen und Sulzbach immer wieder weiterzuentwickeln. Besonders freute sich der Bürgermeister über den Besuch von drei Zeitzeugen, die einen persönlichen Bezug zur Stadtwerdung Sulzbachs haben und an diesem Abend ihre ganz eigene Geschichte und Verbindung zur Stadt mitbrachten. Gemeinsam mit den von Adam gewürdigten historischen Persönlichkeiten schlugen sie eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Bürgermeister Adam richtete den Blick auch nach vorne. „Sulzbach ist erwachsen geworden“, so Adam. Heute kann Sulzbach an seinem 80. Stadtgeburtstag auf insgesamt fünf Partnerschaften blicken, die beispielhaft für die Offenheit und internationale Verbundenheit der Stadt stehen. Digitalisierung, demografischer Wandel und Klimaveränderungen seien Herausforderungen, denen sich die Stadt künftig stellen müsse. Wandel werde sich auch in Zukunft fortsetzen. „Unsere Aufgabe ist es, diesen Wandel aktiv zu gestalten und unsere Innenstadt so weiterzuentwickeln, dass sie auch den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird“, so Adam weiter. Eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung müsse dazu beitragen, Sulzbach Klimaresilienter, lebenswerter und demokratisch stärker zu machen. Die Stadt habe in ihrer Geschichte bereits viele Herausforderungen gemeistert und könne deshalb optimistisch in die Zukunft blicken. Das Jubiläum solle zugleich Gelegenheit sein, die Gemeinschaft zu feiern und sich gemeinsam der Verantwortung für die Zukunft zu stellen.

Auf die Ansprache des Bürgermeisters folgte die Rede des Ministers für Inneres, Bauen und Sport, Reinhold Jost. Gleich zu Beginn richtete dieser seinen besonderen Dank an die Hilfsorganisationen und die gesamte „Blaulicht-Familie“. „Ihr seid der Kitt unserer Gesellschaft. Danke für das, was Ihr leistet“, würdigte Jost das Engagement der vielen haupt- und ehrenamtlich Aktiven. Auch die Aula selbst fand besondere Anerkennung. Der Minister bezeichnete sie als einen der schönsten Festsäle im Saarland. In seiner Ansprache spannte Jost einen weiten Bogen von der Geschichte bis zur internationalen Bedeutung Sulzbachs. Er erinnerte an die frühere Glasproduktion sowie an Kohle- und Salzgewinnung und verwies zugleich auf heutige internationale „Botschafter“ der Stadt. Dazu zählt insbesondere die Augenklinik mit ihrem guten internationalen Ruf, aber auch Unternehmen wie Hydac und weitere international agierende Firmen und Akteure. Jost hob eine besondere Eigenschaft Sulzbachs hervor: Seit 160 Jahren verfügt die Stadt über eine eigene, eigenständige kommunale Verwaltung. Damit verbinde sich ein entsprechender Anspruch: Gestalten statt nur verwalten. Er kenne Sulzbach bereits aus seiner früheren Tätigkeit als Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Forst und nun als Minister für Inneres, Bauen und Sport. Zum 80. Geburtstag brachte Reinhold Jost auch ein konkretes Geschenk des Landes mit: die Zusage eines zusätzlichen Zuschusses von etwa einer halben Million Euro zur weiteren Unterstützung des Neubaus der Altenwalder Feuerwache, mit dem zusätzlichen Kosten gedeckt werden können. Zum Abschluss seiner Ansprache wurde ein weiteres Geburtstagsgeschenk überreicht: ein symbolischer Scheck über 400.000 Euro für die Revitalisierung der Sulzbachtalstraße.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf dem europäischen Gedanken und der deutsch-französischen Freundschaft. Die Städtepartnerschaften zeugen vom ausdrücklichen Bekenntnis zu den Partnern anderer Nationen. Auch die Partnerschaft mit Bassila in Benin steht für die globale Verbundenheit der Stadt. Wie sehr die deutsch-französischen Beziehungen in Sulzbach gelebt werden, wurde auch durch die Anwesenheit des Generalkonsuls der Republik Frankreich im Saarland, Jerôme Spinoza, deutlich. In seiner Ansprache zeigte sich Spinoza beeindruckt von der engen Verbindung Sulzbachs zu seinen französischen Freunden. Er nehme an diesem Abend ganz besonders wahr, wie gut diese Beziehung sei. Nicht allein Amtsträger und offizielle Urkunden hätten die Verbindung geprägt, betonte der Generalkonsul. Es sei vor allem die Bevölkerung, die diese Freundschaft lebendig halte – durch Partnerschaften, Begegnungen und den Austausch zwischen Menschen. „Die Frankofonie lebt hier und das ist spürbar und erlebbar“, machte Spinoza deutlich. Und er fügte hinzu: „Ihr lasst Europa leben.“ Wie konkret diese europäische Zusammenarbeit sein kann, zeige sich auch bei der Bekämpfung von Waldbränden. Französische und deutsche Feuerwehrleute arbeiten dabei eng mit Kolleginnen und Kollegen aus Luxemburg zusammen. Spinoza erinnerte an eine Übung im Juni, die er selbst miterlebt hatte – und die sich angesichts der aktuellen Ereignisse schneller als erwartet zur Realität entwickelt habe. Mit Blick auf bevorstehende Wahlen auf beiden Seiten der Grenze im kommenden Jahr warnte er davor, dass der europäische Geist von extremen Parteien herausgefordert werde. Sein Wunsch: Die gewählten Parteien mögen auch künftig im Sinne Europas handeln.

Zum Festakt gehörte selbstverständlich auch der Blick auf Persönlichkeiten, die Sulzbach weit über die Stadtgrenzen hinaus geprägt haben. Eine herausragende Persönlichkeit war unter anderem der am 2. April 2025 verstorbene Dr. Karl LudwigJüngst (20.06.1938 – 02.04.2025). Der bedeutende Heimatforscher und Chronist war Ehrenbürger der Stadt Sulzbach. Mit großer Leidenschaft erforschte Dr. Jüngst die Geschichte des Sulzbachtals in all ihren Facetten. Kulturamtsleiterin Vienna Gebhardt hatte die ehrenvolle Aufgabe übernommen, die Gäste noch einmal an seinen Gedanken zur Sulzbacher Stadtwerdung teilhaben zu lassen. Sie verlas seine wertschätzenden und warmherzigen Worte aus der Rede, die Jüngst anlässlich des 75. Stadtjubiläums geschrieben und vorgetragen hatte. Dieses Jubiläum vor fünf Jahren fiel mitten in die Corona-Pandemie und konnte deshalb nur unter strengen Auflagen und mit Abstand gefeiert werden. Umso besonderer war es, seine Gedanken nun noch einmal in Erinnerung zu rufen. Jüngsts Rede bot einen spannenden und zugleich augenzwinkernden Streifzug durch Sulzbach und seine Stadtteile – von den Anfängen der Stadt bis in die Gegenwart. Eine weitere bedeutende Sulzbacher Persönlichkeit ist LudwigHarig (18.07.1927 – 05.05.2018). Der ehemalige Volksschullehrer wurde zu einem gefeierten Schriftsteller. Seine besondere Verbindung zu seiner Heimatstadt wurde zum Abschluss des Festaktes noch einmal musikalisch spürbar. Der Sulzbacher Beauftragte für deutsch-französische Angelegenheiten und Liedermacher WolfgangWinkler trug das von ihm vertonte Lied „Romanze“ nach einem Text von Ludwig Harig vor – eine Liebeserklärung an Sulzbach, seine Heimatstadt.

Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte das HerrySchmittTrio. Mit einer stilvollen und geschmackvollen Auswahl beliebter Lieder und Chansons aus acht Jahrzehnten verlieh das Trio dem Abend eine besondere Atmosphäre. Auch für das leibliche Wohl war gesorgt. Der Kunstverein übernahm die Bewirtung der Gäste. Nach dem offiziellen Teil nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, bei köstlichen Gaumenfreuden vom Buffet noch miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.