Station 40

Johann Wolfgang von Goethe und Karl May

Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828
Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828

Schade, dass Goethe nie Karl May gelesen hat! Ob der große Klassiker aus Weimar von dem Klassiker aus Hohenstein-Ernstthal in Sachsen genau so entzückt gewesen wäre wie von dem Amerikaner James Fenimore Cooper, dessen Roman Der letzte Mohikaner ihn „begeisterte“?
Johann Wolfgang von Goethe wurde von Karl May „verehrt“ („Schiller [hingegen] wird ihn lebenslang nicht mehr loslassen“ ): Ganze 11-mal ist der Name des Dichterfürsten Goethe  in Mays Autobiografie „Mein Leben und Streben“ aufgeführt, weitere 19 ernstgemeinte Hinweise auf Goethe (auch Göthe!) finden wir in anderen Werken Mays.                            
In seinem Buch „Karl May oder die Macht der Phantasie“ erwähnt Helmut Schmiedt gleich zu Beginn sogar Parallelen zwischen Goethes Dichtung und Wahrheit und Karl Mays Autobiografie Mein Leben und Streben: z.B. beginnen beide Werke mit einem „Blick aufs Firmament“. Im weiteren Verlauf stellt Schmiedt dann fest, „dass diese Gemeinsamkeit nicht auf einem Zufall beruht;  die Parallellektüre fördert weitere Übereinstimmungen zutage.“ Seinen Untersuchungen zufolge gab es sogar Zeitschriften wie den katholischen Raphael, die zeitweilig „May über Goethe“ stellten.  
In einem anderen Werk berichtet Schmiedt Über Kuriositäten und Analogien in der Rezeptionsgeschichte Goethes und Karl Mays -  dergleichen  gibt es etliche!

Karl May wagte sogar, den Dichterfürsten mit den Worten des Hobble-Frank zu persiflieren:
„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Ums Schindeldach die jungen Schtörche ziehn?
Der Loobfrosch flötet abends im Geschträuch,
Und Lunas Bild schtrahlt aus dem nahen Teich.
Dort ist´s gemütlich, drum dorthin
Schteht mir die Nase und schteht mir der Sinn!“          
oder   
„Der Mensch versuche die Götter nicht
Und begehre nimmer und nimmer zu schauen
Die Geister mit ihren Kindern und Frauen!“      



s. Fußnote 10
Klappentext „Der letzte Mohikaner“ von J.F. Cooper,  Carl Hanser Verlag München 2013
Thomas Kramer: Karl May – Ein biografisches Portrait,    S. 23
Ebd. S. 56
Gezählt in: Karl Mays Werke, Hrsg. Hermann  Wiedenroth, zweitausendeins
Prof. Dr. Helmut Schmiedt, *25.09.1950,  Literaturwissenschaftler, Hochschullehrer an der  Universität Koblenz-Landau
Helmut Schmiedt: Karl May oder die Macht der  Phantasie, S. 12

Ebd. S. 12
Ebd. S. 218
Helmut Schmiedt: Der Klassiker, der andere Klassiker  und ihre Leser, Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1991
Der Sohn des Bärenjägers, Karl Mays illustrierte Werke,  Bertelsmann, S. 311
Ebd. S. 453