Station 1

 Station 1: Karl May 

Karl May
Er stammte aus ärmsten Verhältnissen, wurde im „tiefsten Ardistan“1 geboren.
Trotzdem gelang es ihm, nach einer langen Zeit voller Irrungen und Wirrungen, den Weg zu seinem persönlichen Olymp zu finden und die Höhen von „Dschinnistan“ zu erreichen. Steigen Sie mit Karl May hinauf zum „Versteinerten Gebet“, erfahren Sie anschließend auf einem weiteren Wegstück Allgemeines über den Schriftsteller und sein Werk. Die zweite Weghälfte ist dem unbekannten Karl May gewidmet. Hier lernen Sie den musikalischen und den lyrischen Karl May kennen, erhalten Informationen über seine Weltreisen. Sie werden Erstaunliches erfahren. Seien Sie gespannt.

 

1) Karl May: „Mein Leben und Streben“

Karl-May-Verlag Bamberg/Radebeul, Gesammelte Werke Bd. 31

 

 

Zum Titelbild:

Ardistan

ist der erste Teil des 1907-1909 in der katholischen Wochenzeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“, Verlag Pustet in Regensburg, erschienenen Romans Der Mir von Dschinnistan (Titel der Bucherstausgabe Fehsenfeld 1909 Ardistan und Dschinnistan I): Kara Ben Nemsi erhält von Marah Durimeh, der Herrscherin des Sternenblumenlandes Sitara den Auftrag, mit seinem Freund und Diener Hadschi Halef Omar nach Ardistan zu reisen und dort mit dem Mir (Emir), einem Tyrannen, der sein Volk grausam unterjocht, in Friedensverhandlungen zu treten, denn Ardistan hat Dschinnistan den Krieg erklärt. Menschenrechte, Nächstenliebe und Gerechtigkeit sollen den Despoten für einen ewig währenden Frieden gewinnen.

Als Einleitung zu den Informationen des Karl-May-Weges erscheint mir dieses Buch gut geeignet. Denn vereinfacht dargestellt könnte der symbolisch zu verstehende Roman so lauten: Marah Durimeh – mittlerweile weiß man, dass Karl May in dieser Figur seine über alles geliebte Großmutter väterlicherseits beschrieben hat – schickt ihren Enkel Karl May mit dem Schiff Wilahde (= Geburt!) nach Ardistan (Ard = Erde), wo Krankheit, Armut und Gewalt das Leben bestimmen. Aus diesem entbehrungsreichen, von einem despotischen Vater dominierten Leben kämpft er sich empor, denn er hat ja einen Auftrag zu erfüllen: Mit seiner alles umfassenden Liebe soll sich der Geistesmensch Kara Ben Nemsi – trotz  all seiner menschlichen Schwächen und Fehler, die ihn selbst nie loslassen (dargestellt in der Figur des kleinen Hadschi Halef Omar) – bemühen, die Menschheit zu Besserem zu bekehren und sie dann zu seinem fernen Ziel, nämlich Dschinnistan (Dschinn = Geist) mitzunehmen, jenem gebirgigen, gesunden Hochland, an dessen jenseitiger Grenze das Tor zum Paradies steht.

 

Der Roman  Ardistan und Dschinnistan zählt zu Karl Mays „Alterswerk“, jenen Erzählungen, die im Zusammenhang mit den in den Jahren zuvor gegen ihn erhobenen Vorwürfen, ein Hochstapler, Lügner und Betrüger zu sein, jemand, der nur minderwertige, ja teilweise sogar anstößige Schriften verfasst habe und, was wohl am schwersten wog, der sich mit der Veröffentlichung seiner Vorstrafen, die er längstens vergessen glaubte, konfrontiert sah, entstanden sind. In diesen späten Erzählungen, geschrieben Anfang des 20. Jh., versuchte er sich literarisch zu rechtfertigen. Er wollte nun aber auch beweisen, dass er schreibtechnisch Besseres als bisher zu Papier zu bringen im Stande sei: Tatsächlich wurden diese Werke von literarischer Seite sehr positiv aufgenommen: Auch der Sulzbacher Schriftsteller und Dichter Ludwig Harig bekennt sich zu Karl May, soweit dessen Literatur diese Bücher betrifft. Das breite Publikum lehnte die Arbeiten wegen fehlender Spannung  jedoch ab – die Erzählungen „floppten“, wie man heute sagen würde.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass May schon sehr früh in seinen Werken erklärt hat, sich als Erzieher der Menschen zum Guten zu verstehen: In dem 1893 direkt für den Verlag Fehsenfeld  verfassten Buch Winnetou I lesen wir, er schreibe, „um der Lehrer [s]einer Leser zu sein …“ 1.

1) Fehsenfeldausgabe S. 153; KMV Bd. 7, S. 144

Karl May Wanderweg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Sulzbacher Umschau, Ausgabe 28/2013