Station 21

 Der mystische Karl May 


Karl May war Protestant.
Während seiner Haft in Waldheim kam er mit dem katholischen Glauben in Berührung; insbesondere der Marienkult hatte es ihm seitdem angetan. Seine Reiseerzählungen spiegeln dies wider. Seine Bücher wurden sogar von katholischen Bischöfen als gute Jugendliteratur empfohlen, und das ausgangs des 19.(!) Jahrhunderts. 

Im Alter schuf sich Karl May jedoch eine eigene Religion, in der er das Positive vieler Weltanschauungen zusammenführte. Dieser Sinneswandel brachte ihm eine Anzeige bei der Glaubenskongregation des Vatikans ein. Man versuchte, wenigstens sein Alterswerk auf den Index setzen zu lassen – doch ohne Erfolg. 
Auch spiritistische Aktivitäten sind für Karl May und seine Frauen belegt: So will er, einem Brief an seine erste Frau zufolge, zeitweilig mit Friedrich Schillers Geist „in spiritueller Verbindung“* gestanden, der Dichter soll ihm dann sogar die Feder geführt haben.


*)Thomas Kramer: Karl May, ein biografisches Portrait